Ukraine: Bystroye-Kanal
Ein Schnitt in das Herz des Donaudelta Biosphäre Reservat
Die ukrainische Regierung hat 2004 mit dem Bau eines Kanals durch den Bystroye-Arm zum Schwarzen Meer begonnen. Die Arbeiten für die Phase II des Projekts beginnen im Sommer 2007. Dieser Kanal führt durch das Herz des Donaudelta Biosphäre Reservat, ein Gebiet von globaler ökologischer Bedeutung, der ökonomische Nutzen ist fraglich.
Nach der Fertigstellung der Bauphase 1 des Kanals im Jahr 2004 begannen größere seetüchtige Schiffe den Kanal zu nutzen. Der Kanal versandete aber wieder bis zu seiner ursprünglichen Tiefe, wodurch er für größere Schiffe unpassierbar wurde. Grabungen, um den Kanal wieder für die Schifffahrt zu öffnen, starteten im November 2006 und wurden im April 2007 abgeschlossen. Seitdem wird der Kanal wieder von Schiffen genutzt. Die Phase II des Projekts, die eine Vertiefung des Kanals und die Errichtung eines Deichs in das Schwarze Meer vorsieht, sollen im Sommer 2007 beginnen.
Die für die Phase II geplanten Arbeiten werden vom WWF und anderen Experten als Gefährdung für das fragile Ökosystem des Donaudeltas eingestuft. Weitere Baumaßnahmen für den Kanal würden schwerwiegende negative Auswirkungen auf die ökologische und sozio-ökonomische Situation im Delta haben.
Lösung zur Entwicklung der Schifffahrt?
Die Regierung der Ukraine rechtfertigt die Errichtung des Kanals mit der Behauptung, dieser sei von geo-strategischer Bedeutung für das Land, würde die Schifffahrtsindustrie beleben und Arbeitsplätze im Delta schaffen. Derzeit können Schiffe das Delta nur durch den Sulina Kanal in Rumänien und einen kleinen Kanal in der Ukraine, der nur für kleine Schiffe befahrbar ist, passieren. Die ukrainische Regierung klagt, dass ihr durch diese Route jedes Jahr Gebührenkosten in Millionenhöhe entstehen.
Während das ukrainische Interesse an der Entwicklung der Schifffahrt verständlich ist, ist der Bystroye-Kanal dennoch die dafür denkbar schlechteste Lösung – angesichts der ökologischen Zerstörung und fraglichen ökonomsichen Nutzen. Internationale Experten der Berner Konvention und des WWF haben alternative Routen zum Schwarzen Meer vorgeschlagen, die langfristig gesehen weniger kostenintensiv sind und eine Zerstörung der wertvollen Gebiete im Donaudelta verhindern.
Darüber hinaus hat die ukrainische Regierung durch das Vorantreiben der Kanalarbeiten laufend nationale wie international Gesetze und Vereinbarungen missachtet.
Kontroverses Projekt
Seit Beginn war das Projekt kontrovers. Initiiert vom damaligen Präsidenten der Ukraine, Leonid Kuchma, im Jahr 2004, wurde das Projekt in Folge der Orangen Revolution und dem darauffolgenden Machtwechsel Ende 2004 gestoppt.
Die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) die für die zweite Phase des Projekts durchgeführt wurde, wurde vom ukrainischen Ministerium für Umwelt im Herbst 2005 zurückgewiesen. Die dafür verantwortliche Ministerin Yavorska wurde in der Folge von ihrem Posten entfernt. Anfang 2006 , vor den Wahlen im März, ließ die Regierung eine zweite UVP durchführen. Beide UVPs wurden von internationalen Organisationen und Regierungen, darunter der WWF, die Europäische Kommission und die Ramsar und Berner Konvention, stark für ihre unzureichende Qualität und die mangelnde Beratung mit öffentlichen oder internationalen Institutionen kritisiert.
Die UN Untersuchungskommission kommt im Juli 2006 einstimmig zu dem Schluss, dass der Bau des Bystroye Kanals erhebliche negative und vor allem auch grenzüberschreitende Folgen mit sich bringen wird (nach Richtlinien der Espoo Klonvention). Bis heute wurde keine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung für das Projekt durchgeführt.
Die derzeitigen Kosten der Phase II belaufen sich auf 90 Millionen Euro, ein Dreifaches der ursprünglich geplanten Zahl. Laut einer Analyse des WWFs werden die Einnahme aus dem fertigen Kanal von den Kosten für die Instandhaltungsarbeiten überstiegen werden.
Weltweit bedeutendes Delta
Laut WWF gehört das Donaudelta zu den 200 bedeutensten Regionen der Erde für den Erhalt der Artenvielfalt. Das Donaudelta ist das zweitgrößte Feuchtgebiet in Europa und das weltgrößte Schilfgebiet. Es ist entscheidender Lebensraum für viele bedrohte Arten und stellt für viele lokale Gemeinden Lebensgrundlage dar.
Die groß angelegten Baggerungs- und Baumaßnahmen für den Kanal und dessen Instandhaltung führen zu einem Verlust der Lebensräume bedrohter Arten, wie der Rothalsgans, dem Zwergkormoran oder dem großen Beluga-Stör. Der Kanal wird außerdem den ökonomischen Nutzen des Deltas für die lokale Bevölkerung in Form von Fischerei und Tourismus einschränken.

© WWF-Anton Vorauer

© Anton Vorauer

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